Rassismus – eine biblische Perspektive

Die Rassenunruhen in den Vereinigten Staaten mit ihrem Schlagwort «Black Lives Matter» (Schwarze Leben zählen) haben auch hierzulande Rassismus wieder zum Thema gemacht. Was hat uns die Bibel dazu zu sagen? Und was hat das mit uns Christen zu tun?


Was die Bibel über Rassismus sagt
Rassismus bedeutet, dass Menschen aufgrund von Merkmalen, die sie von Geburt auf mitbekommen haben und nicht ändern können (z.B. Hautfarbe oder Nationalität), bewertet und kategorisiert werden. Das kann in Gedanken, im Reden oder im Handeln geschehen.
Die Bibel selbst kennt diesen Begriff nicht, wohl aber die Sache. Sie zeigt, dass Gott die Menschen in seinem Bild geschaffen hat und dass alle Menschen vom ersten Menschenpaar abstammen und zur gleichen grossen Familie gehören. Die Bibel kennt deshalb keine verschiedenen Rassen unter den Menschen, sondern nur verschiedene Völker. Diese unterscheiden sich aber nicht in ihrem Menschsein oder ihrem Wert, sondern in ihrer Geschichte.

Der Hauptfokus des Alten Testaments liegt allerdings auf dem auserwählten Volk Gottes. Doch diese Erwählung Israels aus allen Nationen geschah nicht auf Kosten der anderen Völker, sondern zu ihrem Segen (1. Mose 12,3). Gott ist der Gott aller Völker (Psalm 86,9; Amos 9,7) und er bereitet für sie alle ein Freudenmahl am Ende der Zeit vor (Jesaja 26,6–8).
Dem Volk Israel selbst war ein Klassendenken fremd. Selbst der König wird ermahnt, sich nicht über seine Brüder zu erheben (5. Mose 17,20) und vor dem Gesetz darf es kein Ansehen der Person geben (5. Mose 1,17). Auch Fremdlinge sollen das gleiche Recht geniessen (3. Mose 24,22) und dürfen nicht unterdrückt werden (3. Mose 19,33).

Jesus wandte sich deutlich gegen die rassistisch motivierte Verachtung der Samariter (Lukas 10,25–37; Johannes 4,7–10). Und in der Frage, wer ein Kind Gottes werden kann, gibt es keine Unterschiede unter den Menschen, allein der Glaube zählt (Galater 3,26–28). Der Fall ist deshalb klar: Rassismus in jeder Form, sei er heimlich oder ausgesprochen oder in der Tat, ist Sünde. Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder äusserlichen Merkmale zu verachten oder zu diskriminieren ist verabscheuungswürdig und ein Angriff auf unseren Schöpfer selbst.

Hat nicht die Bibel Sklaverei ermöglicht?
Nie werde ich unseren Besuch im Cape Coast Castle in Ghana vergessen. Dieses von Europäern errichtete Fort diente lange Zeit als wichtiger Stützpunkt des transatlantischen Sklavenhandels. Im Keller dieses Forts kann man die Kerker besuchen, worin gefangene Einheimische auf engstem Raum eingesperrt waren und auf das nächste Sklavenschiff warten mussten. Direkt über diesen Kerkern befindet sich eine hübsche Kapelle, wo sich die europäischen Kolonialisten sonntags zum Gottesdienst versammelten!

Ist die Bibel schuld an der Sklaverei, wie manchmal behauptet wird? Wahr ist, dass viele Menschen, die sich Christen nannten, sich an der Sklaverei beteiligten und davon profitierten. Wahr ist auch, dass sie ihre Handlungen mit der Bibel zu rechtfertigen versuchten. Aber sie konnten es drehen und wenden, wie sie wollten, sie hatten das Wort Gottes immer gegen sich und mussten ihre Verbrechen im Widerspruch zu ihr ausführen.

Die Bibel verurteilt den Raub, Verkauf und Besitz von Menschen aufs Schärfste und verlangt sogar die Todesstrafe dafür (2. Mose 21,16). Bei der in der Bibel anzutreffenden Sklaverei handelte es sich (mit Ausnahme von Sklaven aus fremden Völkern) um eine zeitlich begrenzte und selbstverschuldete Leibeigenschaft. Die geleistete Arbeit musste abgegolten werden (5. Mose 15,12–18) und alle Sklaven hatten Rechte Und so ist es auch nicht überraschend, dass es bibelgläubige Menschen wie William Wilberforce waren, die den Widerstand gegen die Sklaverei anführten.

Ist «Weiss-Sein» eine Sünde?
Die Proteste in den USA entzündeten sich vor allem an übermässiger Polizeigewalt gegenüber schwarzen Menschen. Aber ein anderer Vorwurf wurde dabei laut, der auch hier bei uns nun zu hören ist: Menschen, die nicht weiss sind, werden systematisch benachteiligt, die Gesellschaft selbst sei rassistisch. Ein Rassist sei nicht nur, wer rassistisch denkt und handelt, sondern alle, die Teil dieses Systems sind. Interessanterweise wird diese Denkweise von einigen Theologen aufgenommen und Christen werden aufgefordert, Busse zu tun wegen ihrem «Weiss-Sein». K. B. Douglas sagt sogar: «Du kannst nicht weiss sein und Jesus nachfolgen.» 

Was der Einzelne wirklich denkt, sagt oder tut, ist aus dieser Perspektive nicht entscheidend, sondern allein, zu welcher Gruppe der Bevölkerung man gehört. Aber dies ist ja gerade rassistisches Denken. Eine solche Sichtweise ist mit der Bibel nicht vereinbar: Kein Mensch muss wegen seiner Hautfarbe Busse tun, sondern wegen seiner Sünde. Wer seinem Gegenüber Schuld unterstellt aufgrund eines körperlichen Merkmals wie der Hautfarbe, verstärkt das Problem, anstatt es zu lindern. Rassismus in Gedanken, im Reden und in der Tat ist real und wir Christen dürfen die Augen davor nicht verschliessen. Aber das Übel des Rassismus kann nicht mit einem rassistischen Gegenmittel geheilt werden.


Das Übel des Rassismus kann nicht mit einem rassistischen Gegenmittel geheilt werden.

Die Antwort des Evangeliums
Das Problem des Rassismus ist nicht ein System, sondern die Sünde. Menschen denken, reden und handeln rassistisch, weil sie in einer gefallenen Welt als Sünder geboren werden. «Black Lives Matter» weist auf eine reale Not hin – doch sie übersieht das wahre Problem und vor allem die wahre Lösung: In seiner Gnade hat Gott das Problem der Sünde und auch des Rassismus bereits an der Wurzel gepackt und ausgerissen. Sein Sohn Jesus Christus starb für unsere Schuld und schenkt nun allen, die Busse tun und an ihn glauben, ein neues Herz. Das ist die einzige wirkliche Lösung für den Rassismus. In Christus allein gibt es Vergebung, Versöhnung und Heilung. In ihm allein wird der Zaun der Feindschaft zwischen den verschiedenen Völkern abgebrochen und in ihm allein werden sie zum grossen Volk Gottes zusammengeführt. Wir Christen tun gut daran, die Welt darauf hinzuweisen – es ist eine frohe Botschaft, für Schwarz und Weiss.

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Tobias Weiler

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David Pfeuti